Archiv für Januar 2011

Hallo Rehmsdorf! oder: Zwei Seiten einer Medaille

Rehmsdorf am Tag:

Zahlreiche Gäste aus nah und fern erschienen am Sonntagmorgen, um in Rehmsdorf den Opfern faschistischer Gewaltherrschaft zu gedenken. Sie kamen aus vielen Orten der Gemeinde Elsteraue, aber auch aus Zeitz und Weißenfels, Magdeburg und London. So versammelten sich Stadt- und Gemeinderäte, Landtagsabgeordnete und interessierte Bürger. Ortsbürgermeister Thomas Heilmann eröffnete die Gedenkfeier und erinnerte an 50 Millionen Tote, darunter sechs Millionen Juden, im Zweiten Weltkrieg. Rehmsdorf ein Tatort, denn im hiesigen Außenlager Will des Konzentrationslagers Buchenwald starben 5 871 Menschen. Unter den Überlebenden befand sich der spätere Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész, der mit seinem Werk „Roman eines Schicksallosen“ dem Lager ein literarisches Denkmal setzt.

Rehmsdorf bei Nacht:

Die Narren regierten das vergangene Wochenende in Rehmsdorf. „Der Fasching soll uns heilig sein, sonst spendieren wir ein Fässchen Wein“, so versprach der frisch gekürte Prinz Stefan I. Gemeinsam mit seiner Prinzessin Christiane I. übernahm er am Sonnabend die Regentschaft. Noch am 11. 11. stand das närrische Volk in Rehmsdorf ohne Regenten da. „Wir sind auf dem Weihnachtsmarkt angesprochen worden und haben spontan zugesagt“, plaudert die Prinzessin aus dem Nähkästchen.

Beide Artikel erscheinen übrigens auf ein und derselben Seite. Hallo Zeitz! denkt sich manchmal, noch viel von den MZ-Redakteuren lernen zu können. Wir besuchen bald deren Workshop „Geschmacklosigkeit“, da gibt es für uns Laien eindeutig Nachholbedarf und gleichzeitig die Chance, mit echten Experten zu arbeiten.

Und Tschüss!

Am 31. Dezember 2010 lebten 31 555 Menschen in Zeitz. Das sind 597 weniger als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der stetige Abwärtstrend in den Einwohnerzahlen auch nach den Eingemeindungen nicht verändert. Interessant ist aber auch eine andere Zahl: 1 232 Menschen kehrten ihrer Heimatstadt den Rücken, zogen von Zeitz weg. Eine Zahl, die mit Zuzügen und Geburten nicht kompensiert wird.

Kinosterben, Hochwasserchaos, Bevölkerungsrückgang – hört das denn NIE auf?! Hallo Zeitz! macht sich Sorgen. Nicht um die, die weg gehen. Auch nicht um die, die hier bleiben. Sondern vielmehr um diejenigen, die sich zur Lage äußern dürfen:

Margarete Späte (CDU) will nicht, dass von solchen Zahlen negative Signale ausgehen. Das würde niemandem helfen.

Aha. Gutes Argument. Noch so nen Hammer parat?

Den Hauptgrund für den Bevölkerungsrückgang, den es anderswo auch gibt, sieht die Stadträtin darin, dass mehr Menschen sterben als Kinder geboren werden. Das ist in der Tat richtig: 557 Sterbefällen in Zeitz stehen 212 Geburten gegenüber. Doch die gravierende Zahl bleiben die 1 232 Wegzüge.

Frau Späthe lässt sich von Zahlen schon mal nicht verwirren. Parteiübergreifend ist sowieso keiner vor Programmatik sicher:

Horst Heller (Linke) ist von dem Fakt, dass sich an der Abwanderung nichts geändert hat, nicht überrascht. Obwohl Jugendliche mittlerweile gute Chancen auf Ausbildungsplätze in der Region haben, wie Heller auch aus seiner Tätigkeit beim Netzwerk Metall weiß. „Aber damit eine Stadt lebenswert ist, gehört eben auch die Infrastruktur dazu“, meinte er, „wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, Zeitz muss lebenswerter sein, sonst haben wir ein Problem.“

Auch Stadtratsvorsitzender Eugen Engel (FWZ / FFW) geht nicht davon aus, dass sich die negativen Zahlen irgendwann einfach in positive umkehren. „Wir sollten bei der Abwanderung aber zumindest Stagnation erreichen, sie minimieren“, sagte Engel.

Mit den hellsten Kerzen im Leuchter wird Zeitz, da ist sich die Redaktion sicher, bald wieder zu einer pulsierenden Metropole anwachsen. Bis das mit der Infrastruktur geklärt ist zählt Hallo Zeitz! weiterhin die leerstehenden Gewerbegebiete, die verschiedenen Schimmelsorten in den Altbauhäusern oder erkundigt sich bei Traditionsfirmen nach Jobs:


Liebe Bullen, gemäßigte Raser

Oberkommissar Bernd Müller vom Polizeirevier Saalekreis hat in einer Präventionsveranstaltung an der Berufsschule Zeitz auf Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht. Das tut er nicht belehrend und auch nicht mit erhobenem Zeigefinger. Müller sucht vielmehr den Dialog zu den Berufsschülern und schafft es, dass sie über ihr Fahrverhalten nachdenken.

Ortstermin für die Zeitzer Polizei, Themenschwerpunkt an der Berufsschule: Schööööön langsam fahren. Kommt super an:

„Ich denke schon, dass die meisten verinnerlichen, was sie hier hören und sehen“, sagt Hartmann über das Projekt. „Das gibt mir schon zu denken“, meint Klenke, der 2006 die Führerscheinprüfung absolvierte und ansonsten ziemlich cool rüberkommt.

Während Bernd Müller noch mit Steve über das Für und Wider von Alkopops redet haben sich Ronny, René und Uwe nach draußen geschlichen, um quasi im Schutze der Bullenveranstaltung den großen Coup zu landen:

Mal ne Scheibe von abschneiden, liebe MZ!

Die Fünftklässler der Reudener Sekundarschule sitzen im Klassenraum, die Köpfe dicht zusammen gesteckt. Sie murmeln vor sich hin, immer wieder sind Stichworte zu hören, darunter Hochwasser und Sportturnier. Es ist Redaktionsbesprechung, denn die Schüler planen gerade die Themen für ihre erste Schülerzeitung.
Wie diese heißen soll, das wissen die Mädchen und Jungen noch nicht, wohl aber, dass aktuelle Ereignisse im Blatt aufgegriffen werden. Geleitet wird die Gruppe von Norman Viol, der seit Oktober letzten Jahres als Schulsozialarbeiter in Reuden tätig ist.

Die Hallo Zeitz!-Redaktion hat sofort nach dem Erscheinen des Artikels Vorverträge mit allen Schülern abgeschlossen, Stichwort: Generationswechsel und Nachwuchsförderung.

Nicht nur an sogenannten Brennpunktschulen, zu der die Reudener im Übrigen nicht zählt, ist diese Arbeit wichtig.

Gefälligkeitsjournalismus at it’s best. Oder grad nochmal die Kurve gekriegt. Sucht euch was aus.

Ziel des Programms ist es, die Zahl der Schulverweigerer und die der Schulabbrecher zu senken.

Hallo Zeitz! findet sowas gut und hofft, in den nächsten Jahren mehrere neue Mitglieder in unseren Redaktionsräumen begrüßen zu dürfen. Falls es wider Erwarten doch nicht mit dem Abschluss klappen sollte, winkt eine lukrative Redakteurskarriere bei der MZ.

Lustig, lustig, tralalalalalala…

Hinfort mit dem negativen Gedankengut, es ist Fasching (für die Wessis: Karneval)! Zeitz, naja, sagen wir: feiert…