„Ich spüre es manchmal schon, dass ich eine dunklere Haut habe“, meint er, „manche Schüler beachten mich nicht oder weniger.“

Solche Sätze, als wäre es das Normalste auf der Welt. Die MZ berichtet über Jason, einen in Jamaika aufgewachsenen 13jährigen Jungen und seine Ankunft in Zeitz.

Jason besucht das Geschwister-Scholl-Gymnasium. Lernen macht ihm Spaß, aber leicht ist es nicht immer. Er erinnert sich noch gut an den Moment, als er das erste Mal in die Klasse kam, der Dunkelhäutige, der Neue, der Exot.“Ich spüre es manchmal schon, dass ich eine dunklere Haut habe“, meint er, „manche Schüler beachten mich nicht oder weniger. Sogar weniger als andere, die vielleicht eine noch dunklere Haut haben.“

Der Vater? Sieht das alles nicht so wild:

Vater Barry Jackson hält engen Kontakt zu den Lehrern und lobt die Schule. Findet auch die Entscheidung, nach Zeitz zu kommen, gut. Für ihn ist es relativ egal, wo er lebt.

„Die Menschen hier im Osten sind freundlich, die Hilfsbereitschaft, die ja früher noch größer gewesen sein soll, ist noch da“, zählt er auf, „natürlich sehe ich auch die andere Seite, die jungen Leute, die im Stadtbild in Zeitz immer weniger werden, die fehlende Wirtschaft, die Probleme der Geschäftsleute in der Innenstadt.“

Fein die Vokablen auswendig gelernt, mit denen seit Jahrzehnten Rassismus, Antisemitismus und Nazi-Umtriebe relativiert und weggeredet werden: Keine Wirtschaft, keine Perspektive, die armen jungen Leute. Was sollen sie auch sonst machen außer „den Exoten“ täglich zu diskriminieren?
Und immer wieder diese brutalen Sätze, deren Aussage, und das ist so gut wie sicher, der Autorin nicht mal im Entferntesten bewusst sind.

Jason versucht, Kontakte aufzubauen, versucht, so viele Arbeitsgemeinschaften wie möglich zu besuchen, so viel wie möglich zu erleben, aufzunehmen, festzuhalten. „Den Fotoapparat habe ich immer dabei“, verrät er. Auch das ist seine Art, sein neues Leben zu entdecken. Manchmal zieht er sich auch zurück. Baut gigantische Konstruktionen aus Legosteinen, aus weit über 1 000 Teilen.

Für die lesende Volksgemeinschaft berichtet das Drecksblatt lieber darüber, wie die Neger wohl Weihnachten und Silvester feiern, ob der Junge in der Zivilisation auch genug Fernsehen schauen darf und ob er auch so ein toller Formel 1 Fahrer werden will wie der arische Schumi oder doch lieber ein Nationalspieler, die ja schließlich die ganze Welt verzaubert haben. Mich wundert nur, dass keine Fotostrecke dabei war, die seinen ersten Kontakt mit Schnee zeigt…


2 Antworten auf „„Ich spüre es manchmal schon, dass ich eine dunklere Haut habe“, meint er, „manche Schüler beachten mich nicht oder weniger.““


  1. 1 armenienmann 01. Januar 2011 um 17:50 Uhr

    hallozeitz gefällt mir sehr gut. a) weil es immer neue artikel gibt und b)weil es so traurig macht

  2. 2 sweeeeh 02. Januar 2011 um 19:11 Uhr

    ich finde auch gut das es immer neue artikel gibt. mit a) viel traurig b) aber manchmal auch lustig.

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