Archiv für Dezember 2010

Rutscht gut nei!

Während der Mob sich draußen einmal im Jahr legitimiert austobt, hier ein Evergreen zum Jahreswechsel:

„Ich spüre es manchmal schon, dass ich eine dunklere Haut habe“, meint er, „manche Schüler beachten mich nicht oder weniger.“

Solche Sätze, als wäre es das Normalste auf der Welt. Die MZ berichtet über Jason, einen in Jamaika aufgewachsenen 13jährigen Jungen und seine Ankunft in Zeitz.

Jason besucht das Geschwister-Scholl-Gymnasium. Lernen macht ihm Spaß, aber leicht ist es nicht immer. Er erinnert sich noch gut an den Moment, als er das erste Mal in die Klasse kam, der Dunkelhäutige, der Neue, der Exot.“Ich spüre es manchmal schon, dass ich eine dunklere Haut habe“, meint er, „manche Schüler beachten mich nicht oder weniger. Sogar weniger als andere, die vielleicht eine noch dunklere Haut haben.“

Der Vater? Sieht das alles nicht so wild:

Vater Barry Jackson hält engen Kontakt zu den Lehrern und lobt die Schule. Findet auch die Entscheidung, nach Zeitz zu kommen, gut. Für ihn ist es relativ egal, wo er lebt.

„Die Menschen hier im Osten sind freundlich, die Hilfsbereitschaft, die ja früher noch größer gewesen sein soll, ist noch da“, zählt er auf, „natürlich sehe ich auch die andere Seite, die jungen Leute, die im Stadtbild in Zeitz immer weniger werden, die fehlende Wirtschaft, die Probleme der Geschäftsleute in der Innenstadt.“

Fein die Vokablen auswendig gelernt, mit denen seit Jahrzehnten Rassismus, Antisemitismus und Nazi-Umtriebe relativiert und weggeredet werden: Keine Wirtschaft, keine Perspektive, die armen jungen Leute. Was sollen sie auch sonst machen außer „den Exoten“ täglich zu diskriminieren?
Und immer wieder diese brutalen Sätze, deren Aussage, und das ist so gut wie sicher, der Autorin nicht mal im Entferntesten bewusst sind.

Jason versucht, Kontakte aufzubauen, versucht, so viele Arbeitsgemeinschaften wie möglich zu besuchen, so viel wie möglich zu erleben, aufzunehmen, festzuhalten. „Den Fotoapparat habe ich immer dabei“, verrät er. Auch das ist seine Art, sein neues Leben zu entdecken. Manchmal zieht er sich auch zurück. Baut gigantische Konstruktionen aus Legosteinen, aus weit über 1 000 Teilen.

Für die lesende Volksgemeinschaft berichtet das Drecksblatt lieber darüber, wie die Neger wohl Weihnachten und Silvester feiern, ob der Junge in der Zivilisation auch genug Fernsehen schauen darf und ob er auch so ein toller Formel 1 Fahrer werden will wie der arische Schumi oder doch lieber ein Nationalspieler, die ja schließlich die ganze Welt verzaubert haben. Mich wundert nur, dass keine Fotostrecke dabei war, die seinen ersten Kontakt mit Schnee zeigt…

„Technik der alten Germanen reicht Lesern nicht aus“


MZ hilft: Schlimmer eingeschneit als damals in Stalingrad? Nach Zeitz kommen sie nicht mal mehr auf Ketten? Die MZ hat ein Ohr für sie.

Schneeopfer 1 (verständnisvoll):

Als es schon im November zu schneien begann, hatte ich auch Probleme, mich damit anzufreunden, und regte mich jedes Mal auf, wenn in der Unterstadt und auf den Parkplätzen schlecht beräumt war. Aber man macht es sich auch etwas zu einfach damit, denn mehr als arbeiten kann der Winterdienst auch nicht. Und man muss sich auch selbst auf den Winter einstellen, mehr Zeit einplanen, alles etwas ruhiger an- und mitunter zu Fuß gehen.

Schneeopfer 2 (Lob und Kritik an den Rathaus-Bonzen):

Ein großes Lob gilt dem Räumdienst in und um Geußnitz. Ich würde mir in der Stadt Zeitz wünschen, dass auch die freien Parkplätze wie am alten Krankenhaus ab und zu mal beräumt werden und nicht nur der Parkplatz hinter dem Rathaus.

Schneeopfer 3 (nicht alles war schlecht):

Man sollte nicht immer nur meckern, ich habe mich gefreut, dass der Wendische Berg mit allen Anschlüssen im Gegensatz zur Rahnestraße schon am ersten Feiertag mittags sicher befahrbar war, auch wenn hier durch die vielen Zufahrten immer Gefahrenpotenzial lauert.

Schneeopfer 4 (historisch bewandert):

Während die privaten Gehwege in Zeitz-Ost überwiegend geräumt waren, sind die öffentlichen Gehwege in einem miserablen Zustand“, meldete sich Ernst Eule zu Wort. Er kritisierte, dass man versuche, den Schneemassen mit der „Technik der alten Germanen“, also Schneeschiebern, zu Leibe zu rücken und empfiehlt dem Stadtreinigungs- und Servicebetrieb Zeitz motorgetriebene Handschiebegeräte.

Schön war die Zeit(z) – Jahresrückblick Teil 4: Fasching






Make the happy face!

Arbeit ist doch was Schönes, nicht nur Gottfried Benn wusste das. Am allerschönsten ist Arbeit, wenn alle anderen Menschen frei haben.

Linda Frömtner, Lehrling im dritten Lehrjahr in der Total-Tankstelle am Zeitzer Kleefeldplatz, meinte lachend ganz spontan: „Kein Problem, ob ich nun zu Hause rumsitze, da kann ich ganz gut auch hier sein, unter Leuten.“ Es macht der Rehmsdorferin richtig Spaß, zu tun zu haben, wenn andere feiern.

Tankstelle – place to be! Die Sinnlosigkeit der Existenz hinter dem Tresen darf jedoch niemals im Zentrum stehen.

Zum Ausruhen kommen die beiden Frauen allerdings nicht. „Es wird auch getankt, klar, aber vor allem ist das Shop-Angebot gefragt“, meint Linda Frömtner. Morgens und vormittags sind es hier in der Regel Brötchenkäufer, denn die sind wie Gebäck und echte Buttercroissants hier auch an den Feiertagen zu haben. Gefragt sind natürlich Zigaretten, aber selbst bei Schnee und Minusgraden wird auch Eis gekauft. Mancher kommt auch vorbei, um einen Kaffee zu trinken.

Los ist im Prinzip nichts, aber langweilig, nein, langweilig ist das alles nicht.

„Getankt wurde vor allem Heiligabend noch einmal, heute kommt zwar auch der eine oder andere, aber nicht so viel.“ Sie findet ja, dass es in diesem Jahr etwas ruhiger sei, weil es sich eigentlich nur um ein verlängertes Wochenende handele. Aber langweilig wurde es nicht.

Natürlich kommen auch am Weihnachtstag viele Stammkunden, die sich sowieso hier wohlfühlen, nicht zuletzt, weil sie alle ein freundliches Gesicht und ein herzliches Lächeln gratis dazubekommen. Auch – oder gerade – am Feiertag. Es stürmte allerdings auch niemand in den Tankstellenshop, weil er etwas vergessen hatte oder dringend Frostschutzmittel brauchte. Alles im Rahmen.

Außerhalb des Rahmens wäre es, den Rentnern, die zum Kaffee trinken in eine Tankstelle fahren, in die Fresse zu hauen. Und anschließend das Frostschutzmittel drüber zu schütten. Mit einem Lächeln geht alles…